Probleme mit älterer MD 1000 im Norden

MD 500/520/800/900/1000/1030/2000, Expander 12/24, 4x9, Station one/two usw.

Die erste volldigitale Orgelgeneration in schon damals zukunftsweisender Modultechnik. 1984 bis 1990
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Thommi
Beiträge: 6
Registriert: 17.09.2016, 18:22

Probleme mit älterer MD 1000 im Norden

Beitrag von Thommi »

Liebe BÖHM-Freunde,

da ich vor einigen Tagen eine BÖHM Musica Digital 1000 „adoptiert“ habe,
die, wie das bei so betagten Schätzchen oft der Fall ist,
nicht mehr in allen Punkten ordnungsgemäß funktioniert,
erhoffe ich mir Hilfe aus den erfahrenen Kreisen dieses Forums.

Bei der Orgel handelt es sich um eine ältere Ausführung als
Standversion mit den (angeblich) „drehbaren“ Lautsprecherboxen.
Im BMC-Display steht „© 1985“, die Platinen tragen jedoch den Aufdruck „.86“.


In diesem Zusammenhang würde es mich interessieren, ob man
anhand der Seriennummer „F 0938“ auf dem Typenschild an der Unterseite
des Oberteils feststellen kann, ob es sich um einen Werksaufbau handelt,
aus welchem tatsächlichen Jahr, und ob evtl. sogar Vorbesitzer bekannt sind.

Weil hier Vieles zu diesen Orgeltypen schon mal besprochen wurde,
habe ich natürlich zunächst die vorhandenen Themen durchforstet,
bin aber zu meinen „Sorgen“ nicht so recht fündig geworden.
Daher nun eine Auflistung des derzeitigen Sachstandes
und der damit zusammenhängenden Fragen.

Für mich ist es das größte Problem, dass ich zu der Orgel
leider keinerlei Dokumentation oder Software mitbekommen habe,
also keine Bau- und Bedienungsanleitungen, Bestückungs- und Schaltpläne usw.

Die im Forum vorhandenen PDF-Bauanleitungen habe ich mir bereits herunter geladen;
eine Bedienungsanleitung habe ich jedoch nicht gefunden, doch die
wäre für mich von größter Wichtigkeit, da ich die Funktion vieler Taster nicht kenne.


Sehr ernüchternd war für mich, dass die Orgel,
die vor dem Einladen ins Auto in den Grundzügen funktioniert hat,
nach dem Ausladen und Zusammenbau eher „tot“ wirkte:

Beim ersten Einschalten am neuen Standort bei mir zeigte das BMC-Display
nur einige große dunkle Quadrate und Störlinien;
keine Taster-LED leuchtete, kein Taster war bedienbar, kein Ton war spielbar,
aber zeitweise kam auch mal ein Krachen und Kreischen aus den Boxen.


Nun liegt die Vermutung nahe, dass sich während des Transports im Auto
im Inneren der Orgel etwas „losgerüttelt“ haben könnte.

Nach dem Öffnen des Gehäuses habe ich jedoch keine losen Platinen oder Stecker vorgefunden;
Und auch sonst sieht es im Inneren gut aus: alle Sicherungen sind in Ordnung,
und die roten LEDs auf den Platinen leuchten
.

Mir fiel allerdings auf, dass der schwarze Abschirmkäfig aus gelochtem Blech
über der CPU(?)-Platine, der wohl fest in den seitlichen Führungsschienen sitzen sollte,
recht lose war und sich weigerte, eine sichere Position einzunehmen
.
Möglicherweise könnte er die Platine berührt und etwas ausgelöst haben?
(Dazu meine Frage: Ist der Käfig wirklich unverzichtbar? -
Auf diversen Abbildungen offener MD-Orgeln ist er nicht zu sehen.)

Nach einigen weiteren Aus- und Einschaltversuchen und auch mal
einem leichten Klopfen ans Gehäuse (der berühmte erste "Reparaturversuch") :roll:
durfte ich mich dann endlich auf einen kleinen Erfolg freuen:
Die Orgel zeigte wieder ein annähernd normales Verhalten
und ließ sich – in Grenzen (siehe unten) - bedienen und spielen.

Zum Einschaltproblem, das immer wieder auftritt, vermute ich einen Wackelkontakt,
dem ich unbedingt auf den Grund gehen muss.


Da ich ein positiv denkender Mensch bin und die Hoffnung nicht so schnell aufgebe,
und weil ich auch schon viel Gutes über diese Orgelgeneration gelesen habe
und das Instrument deshalb gerne behalten und nutzen möchte,
liste ich jetzt erstmal das auf, was funktioniert:

Der BMC arbeitet, zeigt die Menüs an und führt aufgerufene Funktionen aus
(die Fehlerdiagnose unter Menüpunkt 8 konnte mir noch nicht richtig helfen,
weil mir die Dokumentation fehlt und einige Diagnosen "nicht möglich" sind).

Die Bedienfeld-Taster scheinen alle zu arbeiten.
Die LEDs in den Tastern leuchten
(viele allerdings recht schwach).

Alle Zugriegel gleiten recht gut und zeigen beim Verstellen Wirkung.
Sinus-Patsch und beide Phasings arbeiten gut.
Hall und Echo funktionieren.

Die Schlaginstrumente der Digital Drums arbeiten.
Die Rhythmen, Variationen, Fills und Soli sind abrufbar.
Die Tempoeinstellung und -LED-Anzeige funktionieren.

Die Tasten beider Manuale arbeiten
(bedürfen aber wohl dringend einer Kontaktpflege).
Verstärker, Schweller und Lautsprecher arbeiten (aber Verstärker siehe unten).

Welche Komponenten verbaut sind und welche Ausbaustufe vorliegt, kann ich noch nicht genau sagen.
Im Platinenträger und auf den IC-Sockeln scheinen alle möglichen Steckplätze belegt zu sein,

die Ausstattung ist also wohl altersgemäß einfach, doch komplett.

Die zahlreichen Akkus auf den Platinen machen optisch einen guten Eindruck
(es sind schon die grünen von VARTA®, nicht die alten schwarzen).

Ich habe bisher noch keine Steckkarte herausgezogen und auch noch nichts nachgemessen.
Das Diskettenlaufwerk sowie die Ein- und Ausgänge und MIDI-Funktionen habe ich (noch) nicht getestet.
Zur Sicherheit habe ich im BMC den Total-Reset (Grundstellung) durchgeführt.

Und nun das, was nach meinen Beobachtungen nicht funktioniert und wozu ich mir Hilfe erhoffe:

Bei Aufruf einiger Menüpunkte im BMC, insbesondere bei den Testfunktionen,
erscheint die (englische) Fehlermeldung, dass die Funktion z. Zt. nicht möglich ist.

Die Begleitautomatik (BÖHMAT, Akkordautomatik, Bass, Solo 1, Solo 2) arbeitet gar nicht

(ist eingeschaltet, die Taster-LED leuchtet, alle drei linken Schieberegler sind voll aufgezogen).

Es ist mir nicht gelungen, irgendeinen der 64 Presets aufzurufen.
(die jeweilige Taster-LED leuchtet, aber es erfolgt keine Umregistrierung).

Bei voll durchgetretenem Schweller, also größerer Lautstärke,
schaltet der Verstärker bei manchen (kräftigen) Sounds kurzzeitig ab,
Register-LEDs erlöschen, nach wenigen Sekunden ist alles wieder voll da.
Bei manchen Sounds kommt es bei vollgriffigen Akkorden (z. B. im Untermanual/Bassbereich)
zu deutlichen Klangverzerrungen wie bei Übersteuerung.

Da mir eine Anleitung fehlt, kann ich nicht ausschließen, bestimmte Funktionen
nicht richtig bedient zu haben, obwohl ich versucht habe, logisch vorzugehen.
Manche Taster kann ich allerdings auch gar nicht zuordnen.

Ich würde mich über eine Bedienungsanleitung zur Orgel
und Tipps für eine sinnvolle Fehlersuche freuen,
denn ich möchte nicht planlos irgendwo in der Orgel herumsuchen.

Herzlichen Dank im voraus!


(Mit Vielfachmessinstrument und Lötkolben kann ich umgehen,
an so „wertvollen“, evtl. doppelseitigen Platinen löte ich allerdings nur ungerne.)

Sollten weitere Fotos von bestimmten Teilen der Orgel gewünscht werden,
kann ich sie gerne nachreichen; ich habe alles fotografiert,
was bisher per Kamera erreichbar war (also keine ausgebauten Platinen).

Vielleicht gibt es ja auch jemanden im näheren Umkreis zu meinem Wohnort
(in der Nähe von Mölln / Ratzeburg im Herzogtum Lauenburg, Schleswig-Holstein),
der mich in die Bedienung der Orgel einweisen und mir bei der Fehlerfindung helfen kann.
Ich würde mich freuen.
(Leider ist die „Orgelszene“ im Norden wohl deutlich kleiner als im Rest Deutschlands.)
Ein Blick in die geöffnete Orgel
Ein Blick in die geöffnete Orgel
BÖHM MD 1000 - 3032 - Gesamtansicht offen.jpg (669.04 KiB) 8045 mal betrachtet

Horst
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Re: Probleme mit älterer MD 1000 im Norden

Beitrag von Horst »

Hallo Thommi,

Ich könnte Dir die Bedienungsanleitung meiner MD 1000 kopieren. Dauert aber ein paar Tage. Hast Du es schon einmal bei Böhm versucht?

So wie Du die Orgel beschreibst, kann soviel nicht kaputt sein.

Gruß Horst

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Thommi
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Re: Probleme mit älterer MD 1000 im Norden

Beitrag von Thommi »

Hallo Horst,

danke für Dein Angebot, das finde ich ganz toll.
Die nötige Geduld werde ich natürlich aufbringen, auch wenn es mich "in den Fingern juckt". :)

Ich hoffe, Du kannst Deine Anleitungskopie als PDF erstellen und per E-Mail senden
und musst nicht auf Papier kopieren und die Post bemühen.
Ausdrucken kann ich sie mir ja selber.

Sollte jemand anderes aus diesem Forum schon über diese Anleitung als PDF verfügen,
möge er sich bitte melden, bevor Du loslegst;
solche aufwendigen Arbeiten müssen ja nicht doppelt gemacht werden.

Danke im voraus, Thomas.

Horst
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Re: Probleme mit älterer MD 1000 im Norden

Beitrag von Horst »

kommt als pdf

Gruß

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wissingc
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Registriert: 26.08.2008, 18:06
Wohnort: 48691 Vreden

Re: Probleme mit älterer MD 1000 im Norden

Beitrag von wissingc »

Hallo Thommi,

ich bin kein Experte was Orgeln angeht, aber die "Wackelkontakte" sind häufig verursacht durch die Netzverbindungen zwischen den Platinen. Die Kontakte oxidieren und lassen nur noch bedingt Strom fliessen. Die so entstehenden Spannungsschwankungen sorgen für Ausfälle und knallen in den Boxen.
Weitere Fehlerquellen sind wohl früher oder später die Tantal-Kondensatoren, die auf einigen Platinen sitzen. Letztlich sollte das Akku, wenn es immer noch das erste ist, getauscht werden. Damit wären sicherlich die gröbsten Fehler behoben.
Liebe Grüße

Christoph

Diamant 450 mit 1 Amadeus

Horst
Beiträge: 108
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Re: Probleme mit älterer MD 1000 im Norden

Beitrag von Horst »

Hallo Thommi,

teile mir doch bitte Deine Mail mit. Dann schicke ich Dir die Bedienungsanleitung. Es sind 100 Seiten. Wie groß ist Dein Mailfach?

Gruß Horst

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