Image der elektronischen Tasteninstrumente

Alle musikalischen Themen, auch solche, die nicht direkt mit den Böhm-Instrumenten zu tun haben.
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rhamac
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Re: Image der elektronischen Tasteninstrumente

Beitrag von rhamac » 11.09.2014, 00:46

Hallo Christoph,

Ich glaube wir sehen da einiges sehr ähnlich.

Ja, in meinen Augen ist die eOrgel für die Musikhäuser bestenfalls ein Nischenprodukt. Die meisten bieten sie überhaupt nicht mehr an.

Aber ich denke schon, dass das etwas mit Image zu tun hat: Weil es sich für die Musikhäuser zu wenig lohnt, ein solch teures Instrument auf Lager zu stellen, machen die natürlich auch keine Werbung dafür. Insofern waren die Böhm Orgeln, die man seit je her ausschließlich beim Hersteller beziehen konnte, schon immer ein Nischenprodukt. Ich erinnere mich noch an meine Jugend und an den Boom. Wenn ich zu dieser Zeit in ein Musikgeschäft ging, dann standen dort Orgeln von den Japanern, Italienern, Engländern und Amerikanern, jedoch keine von Wersi oder Dr.Böhm. Wenn ich dann so unvorsichtig war, anzumerken, dass ich evtl. beabsichtigte eine Böhm selber zu bauen oder eine Böhm ab Werk zu beziehen, dann ging es richtig zur Sache: Von überteuert bis unzuverlässig gingen die Argumente. Das das alles Quatsch war, wusste ich. Aber wusste das auch der unbedarfte Interessent, der so ein Musikhaus betrat?
Insofern ist das schon eine Frage des Images: Der Markt der eOrgel als Massenprodukt ist verschwunden und wird wohl auch nie mehr wirklich auftauchen. Das kann man bedauerlich finden, oder man sieht da die positiven Seiten. Denn nicht nur Masse ist Klasse.

Teure Geigen oder Flügel haben etwas elitäres.

Und ich betrachte eine hochwertige und teure eOrgel auch als ein elitäres Musikinstrument. Das klingt jetzt zwar viel provokativer, als ich es meine, aber in sofern hat die Renaissance der eOrgel schon stattgefunden. Sie ist, da gebe ich Dir wiederum recht, nicht eine Wiedergeburt als Massenprodukt. Ich will aber auch gar kein Massenprodukt, wenn ich eine moderne Orgel besitze.

Musikalische Grüße

Ralf
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jacamido
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Re: Image der elektronischen Tasteninstrumente

Beitrag von jacamido » 31.10.2014, 10:53

Jetzt melde ich mich auch mal zu Wort. :P

Das Problem mit den Orgel fängt ja schon damit an, dass es kaum noch Musikschulen gibt, die dieses Instrument unterrichten! Fragt man einen Kirchenmusiker, ob er auch E-Orgel unterrichtet, reagieren die meisten so, als wenn es etwas völlig ekliges ist. Für die "Pfeifenheinis" gibt es nichts anderes und dann noch Pop-Musik!!! Gott verhüte!!! :shock:

Ein weiteres Problem sind die Anschaffungskosten - abgesehen vielleicht von Ringway. Allerdings kostet ein gutes Klavier auch viel Geld, aber das wird eher angeschafft als eine E-Orgel. Es ist ja auch populärer.

Meiner Meinung nach sollte an der Basis angefangen werden, die E-Orgel als Instrument wieder einzuführen und die Basis ist die Musikschule. Wir haben einen jungen, sehr guten Musiklehrer, der ein Virtuose auf allen Tasteninstrumenten ist und auch in seiner Schule eine Orgel (der Konkurrenz :( ) stehen hat und darauf unterrichtet gibt. Er ist leider einer der wenigen in Deutschland :( ..... Pirmin Wäldin ist ja auch noch einer der Wenigen, die auf Orgel unterrichten, aber für viele zu weit weg und vielleicht auch zu teuer.

Ich kann Uwe nur zustimmen: wenn ich das Original hören will, leg ich mir ne CD ein. Wenn ich selber spiele, spiele ich es so, wie ich es fühle oder interpretiere - DAS ist doch, warum wir selber Musik machen! Auch ein Pianist spielt sein Stück nicht nur rein nach Noten, sondern legt sich selber mit rein und dann kann es eben sein, dass es heute so und morgen anders klingt, weil man ja nicht immer in der gleichen Stimmung ist. Und DAS macht das Musizieren ja aus!

Es gibt Musiker, die gut spielen können - rein nach Notation und technisch! Das klingt dann aber auch so! Wer mit Herz musiziert, interpretiert ein Stück nach seiner Fasson und dann hört es sich nun mal anders an als das Original. Wer das nicht akzeptieren kann, sollte beim CD-Player bleiben. :twisted:

Nein, nicht die Orgelmusiker sind ein stures Volk - eigentlich alle Musiker, die mit Leib und Seele dabei sind :D

Lieben Gruß,
Gaby
Theoretisch könnte ich alles spielen - nur mit der Praxis hapert es ;)

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wissingc
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Re: Image der elektronischen Tasteninstrumente

Beitrag von wissingc » 31.10.2014, 11:45

Hi,

meiner Meinung nach ist die Basis der Kunde. Die Musikschulen bieten an, was verlangt wird und das ist die Orgel NICHT. Wie bei den Keyboards auch unterliegen die Orgeln einem techn. Wandel. Heisst, die Musikschule sollte dann auch noch ein möglichst aktuelles Modell dort stehen haben => Kosten. Der Gebrauchtmarkt hat einen hohen Preisverfall. Wer will das bezahlen? Da sind wir wieder beim Thema: Die Orgel ist zu teuer für die breite Masse!
Liebe Grüße

Christoph

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Didi_HB
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Re: Image der elektronischen Tasteninstrumente

Beitrag von Didi_HB » 31.10.2014, 20:15

Jetzt muss ich auch mal wieder meinen Senf dazugeben.

Ich bin absolut bei euch!
Das größte Problem sind die fehlenden Instrumente in den Musikschulen.
Ich kann da gerade jetzt ein Lied von singen. Um mein Wissen zu erweitern habe ich mich um Musikunterricht, hier in Bremen, bemüht.
Es war seeeehr enttäuschend... aber es war auch ein Wink mit dem Zaunpfahl vorhanden.

Wenn wir eine neue Orgel für max. 3.500,- bekommen könnten...

Das war der Text, denn ich ständig zu hören bekam. (Ob sie es dann auch unterrichten könnten... keine Ahnung.)

Fakt ist, dass es derzeit kein günstiges "Einsteigerinstrument" gibt. Man stelle sich den Familienvater vor, der für sein Kind eine Orgel kaufen möchte.
Wo ist da die finanzielle Grenze und wie groß ist dort die Auswahl?
Also, was kauft man??? Ein Keyboard - und der Weg ist vorprogrammiert.

Auch wenn man mal ins "WWW" geht und die medizinische Betrachtung "die Vorteile selber ein Instrument zu spielen und dessen Auswirkungen" sich anschaut spricht alles für ein Instrument. Insbesondere für eine E-Orgel, da hier vom spielenden viel gefordert wird.

Mein Fazit daraus: Wir brauchen wieder die "Preiseinstiegsklasse" und eine Marketing welches klar die Vorteile herausstellt.

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen viel Spaß mit Euren lieb gewonnenen Instrumenten.

LG
Dieter
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Re: Image der elektronischen Tasteninstrumente

Beitrag von amadeuscat » 03.11.2014, 14:34

Hallo,
es gibt doch eine kleine Orgel. Orla/Ringway RS480EU, Preis um die 2000 Euro.
http://www.tastenpoint.at/orla-orgeln/2 ... 480eu.html
MfG
H.-P.
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rhamac
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Re: Image der elektronischen Tasteninstrumente

Beitrag von rhamac » 03.11.2014, 15:37

wissingc hat geschrieben: Die Orgel ist zu teuer für die breite Masse!
War sie aber schon immer, wenigstens die Orgeln, wie wir sie heute kennen und nutzen.

Einsteigerinstrumente gab es zwar damals um die 3000,-- DM, aber bei Böhm war eine komplette CnT/L schon als Bausatz weit über dieser Grenze. (Die CnT/L war mit 2 Manualen a 49 Tasten und 10 Chören im OM die "kleinste" Orgel vom Doktor, die man von den Klang und Spielmöglichkeiten in der Oberklasse einordnen konnte). Was die anschließende Professional 2000 angeht, war diese noch teurer. Danach kamen dann die DIgitalmodelle. Da nehmen wir mal als Vergleich die Starsound DS. Dann die MD910 und die Diamant 200. All diese Instrumente sind nicht die Spitzenmodelle von Böhm der jeweiligen Zeit, aber allen ist gemeinsam, dass sie nicht für den Preis einer Einsteigerorgel zu kriegen waren. Es ging ganz schnell und man hatte das 3 bis 4 fache auf dem Zettel, wenn man solch ein Instrument besitzen wollte. (als Bausatz, von den Betriebsfertig - Preisen gar nicht zu reden). Trotzdem waren diese Instrumente ihr Geld wert, weil sie im Vergleich zur Einsteigerklasse ja auch eine Menge mehr boten. Aber für die breite Masse waren die eigentlich nicht.

Insofern ist es sogar zu begrüßen, dass da wieder ein Hersteller ein Instrument um die 2500 Euro anbietet, welches den Einstieg in die Königsklasse der Musikinstrumente ermöglicht. Und wenn genügend Leute dann hingehen und ihren Kindern dann lieber sowas ins Zimmer stellen, als ein Keyboard oder als ein Klavier, dann werden zwar nicht alle diese Kinder dieses Instrument am Ende zur Gänze beherrschen (das tun die Kinder, die ein anderes Instrument spielen auch i.a. nicht), aber es wird sich wieder eine Klientel herausbilden, die dann auch Wert auf ein Spitzeninstrument legt und dafür auch den entsprechenden Preis zu zahlen bereit ist.

Musikalische Grüße

Ralf
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yuriko09
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Re: Image der elektronischen Tasteninstrumente

Beitrag von yuriko09 » 13.01.2015, 01:58

Hallo Claus

Das was Du da hast angesprochen ist mir schon seit 20 Jahren bekannt, eben die aufkommende Elektonic die alles möglich machte.
Da wurden die Zuhörer schon mißtrauisch und noch schlimmer, wie ist es denn heute ? Jeder kann mit ein paar Klicks sich den
Sound(Klingelton) oder Webseite selber machen. Schön, die Technik bleibt nicht stehn(unser gemeinsamer Fortschritt) aber wem
oder was kann man in der heutigen Zeit noch vertrauen.
Die Musiker von heute sind DJ`s, und jeder weiß das die Musik nur abgespielt wird, und der DJ macht den Animateur(z.B. bei Hochzeit).
Der DJ kann kein Instrument spielen, weit entfernt, aber dafür eine riesige CD Sammlung mit mehr oder weniger affigen Gesten und Gesänge.
Kommt gut an bei dem Publikum, habe es selber mit erlebt, und alle gehen glücklich und zufrieden nach Hause.

Jetzt kommt jemand mit einer Böhm Orgel, und der macht die gleiche Musik(vllt. sogar noch besser), nur wenn er spielt hampelt er nicht rum,
denn er muß sich konzentrieren.......langweilig für einige Zuhörer, denn die suchen den ultimativen Kick....dabei spielt die perfecte Musik
absolut keine Rolle, sondern nur die Unterhaltung: Z.B. (das Animieren des DJ`s, darauf richten sich die Zuhörer aus), und wenn der noch
sympathisch rüber kommt hat ein Live-Musiker verloren.
Das ist meine Erfahrung ! ! !

Nun, ich bin ja flexible und habe auch mal ein traditionelle Instrument erlernt(nicht nur eines).
Am 10.01.2015 feierten die "Original Stejklepper" ihr 20 Jähriges bestehen in Angenrod und zur späten Stunde holte ich noch
mein Akkordeon aus dem Koffer und dann gings noch bis zum frühen Morgen.
Da hörte ich von verschiedenen Gästen, guck mal...... das geht auch ohne Strom und Midi-File.(man achte auf Midi-File)
Also keine Midi-Files, MP3`s oder CD`s ! Der Gast registriert das, sollte man nicht unterschätzen.

Was ich damit sagen möchte: Der Musiker muß sich selber representieren und nicht die Fähigkeit seines Instrumentes, und
schon garnicht seine technische Perfektion.( lieber mal fehlerhaft gespielt, und sagen...sorry, daß wird verstanden)
Fehler gehören beim Live-Spielen mit dazu, und wenn jemad sagt: "Ich mache keine Fehler", dann lügt er.
Außerdem ist der Gesang des Songs ein mehrfaches Wert als die perfekte Darbietung des Sounds, vor allem wenn der
Zuhörer den Song kennt und vllt. noch mitsingen kann (oder brummen).

Gruß, Alfred
Böhm "Orchester DS 2002"
Böhm "Orchester DS 2002 digital" & Midi 2002/2006 Velosity
Böhm "Station Two"
Böhm "Master-Key P61"
Akkordeon "Marzioli Midi 414 Professional"

riwi-lohmar
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Re: Image der elektronischen Tasteninstrumente

Beitrag von riwi-lohmar » 12.02.2017, 20:25

Das ist nun 11 Jahre her in Bückeburg, wie sieht man es in 2017???

Horst
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Re: Image der elektronischen Tasteninstrumente

Beitrag von Horst » 02.03.2017, 07:22

Guten Morgen.

Eine sehr kluge Aussage: "Der Musiker muß sich selber representieren und nicht die Fähigkeit seines Instrumentes, und schon garnicht seine technische Perfektion." Sie ist aktueller denn je und wird ständig vergessen. Mit der Jagd nach immer mehr Möglichkeiten und technischen Tricks schafft sich die Orgel selber ab. 99 % der Spieler sind damit überfordert und nutzen vermutlich keine 10 % der Möglichkeiten.

Horst

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wissingc
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Re: Image der elektronischen Tasteninstrumente

Beitrag von wissingc » 03.03.2017, 07:17

Hallo Horst,

man muss bedenken, dass die genutzten 10% sich je Spieler unterschiedlich verteilen. Der eine nutzt den Sequencer, der andere die Midi-Einbindung von Soundmodulen usw. Das erweitert das Spektrum. Und dann gibt's ja auch noch die 1%, die vieles davon nutzen und auch können. Es macht ja keinen Sinn für jede Person seine eigene Orgel zu entwerfen. Und ich gehöre zu denen die es toll finden, so viele Möglichkeiten zu haben in einem schönen Gehäuse. Es macht weiter keinen Sinn über Möglichkeiten und deren Nutzung zu diskutieren so lange es die Technik her gibt und die Nachfragen von Kunden kommen. Die neue Technik stellt die Möglichkeiten bereit, warum also nicht anbieten? Nutzen muss jeder Spieler sie selbst; so er denn kann.
Liebe Grüße

Christoph

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Horst
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Re: Image der elektronischen Tasteninstrumente

Beitrag von Horst » 04.03.2017, 08:26

Hallo Christoph,

das ist natürlich auch irgendwie richtig. Aber es ist nuneinmal so, dass die Heimorgel nicht als ernsthaftes Musikinstrument wahrgenommen wird. Das liegt nach meiner Meinung daran, das der Eindruck erweckt wird, dass mit viel Technik jeder leicht spielen kann. Einfingerbegleitautomatik usw. Das ist natürlich nicht so. Daran hat sich bis heute eigentlich nichts gändert. Bei Vorführungen hört man weiterhin nur nachgespielte Schlager und irgendwelche alten Hüte. Die Orgel dürfte nur dann eine Chance habe, wenn es gelingt, sie als eigenständiges Instrument mit ernsthaften Künstlern zu etablieren. Dass das geht, zeigt Cameron Carpenter.

Gruß Horst


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Vodjara
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Re: Image der elektronischen Tasteninstrumente

Beitrag von Vodjara » 04.03.2017, 09:31

Horst hat geschrieben:[.....
Bei Vorführungen hört man weiterhin nur nachgespielte Schlager und irgendwelche alten Hüte. ....]

Gruß Horst
und meist auch noch von Hobbymusikern dargeboten. Ja in der Tat, darin liegen die Hauptursachen im heutigen Image der eOrgel. Japan ist uns da einiges voraus..... unzählige Youtube-Videos zeugen davon.
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