MD 1000 XL

MD 500/520/800/900/1000/1030/2000
Expander 12/24, 4x9, Station one/two usw.

Die erste volldigitale Orgelgeneration von Böhm war eine Sensation. Ausgefeilte Modultechnik garantiert bei vielen Modellen Nachrüstbarkeit bis heute.
Horst
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MD 1000 XL

Beitrag von Horst »

Guten Tag an alle Forenmitglieder. Ich bin neu hier, weil ich mich entschlossen habe, meine MD 1000 XL nach mehr als 15 Jahren aus dem Keller zu holen, und u.U. Beistand benötige.

Ich habe in jüngeren Jahren 3 Dr. Böhm Orgeln gebaut, mich aber dann wieder auf das Klavier verlegt. Ab und zu habe ich dann aber doch gedacht: Das Stück müsstest Du auf der Orgel spielen. Nun habe ich die Orgel, die mehr als 15 Jahre ohne Strom im Keller stand, ins Wohnzimmer geholt und möchte sie reaktivieren. Der erste Test verlief ermutigend. Nachdem ich die Orgel eingeschaltet hatte, passierte eigentlich nichts. Ich hatte irgendwie mit einem lauten Knall und viel Gestank gerechnet. Auf der Platine NT 80 090 leuchtet allerdings nur eine Diode. Bei allen anderen Platinen leuchtete es so, wie es sein sollte. Ich werde nun ersteinmal die Platine 80 090 überprüfen und dann weiter berichten. Hat jemand Tipps, die ich unbedingt beachten sollte?

MfG Horst

Horst
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Re: MD 1000 XL

Beitrag von Horst »

So, ich habe zunächst sytematisch begonnen, bin aber nicht weit gekommen.

Ich habe zunächst alle Platinen entfernt und die defekten Sicherungen auf der Platine 80 090 ausgetauscht und die Orgel eingeschaltet. Die Dioden für die 12 V und - 18 V Spannung leuten, wie es ja sein soll. Die Diode für die + 18 V Spannung bleibt dunkel. Was ist zu machen? Soll ich die Platine neu bestücken, nur die Elkos austausen oder die Gleichrichter ersetzen?

Gruß
Horst

gdrexl
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Re: MD 1000 XL

Beitrag von gdrexl »

Hallo Horst,

wenn Du ausschließlich Trafo und Netzteil betreibst und dabei die +18V-LED dunkel bleibt, ist das Problem doch schon ziemlich übersichtlich...
+/-18V Zweig NT 80 090
+/-18V Zweig NT 80 090
Netzteil.png (17.3 KiB) 8790 mal betrachtet
Hast Du mal die Spannung am Trafo gemessen? Ist die Sicherung OK? Was liegt am Gleichrichter-Ausgang an? Funktioniert die LED? Ist der Vorschaltwiderstand überhaupt bestückt?
Der Kondensator ist erst einmal egal. Funktioniert er normal oder hat eine Unterbrechung, müsste die LED leuchten. Hat er einen Kurzschluss, würde die Sicherung flitzen...

Viele Grüße
Gerhard

Horst
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Re: MD 1000 XL

Beitrag von Horst »

Hallo Gerd,

vielen Dank für Deine Mitteilung.

Der Trafo ist o.k.
Die Sicherung ist o.k.
Die LED ist o.k
Der Vorschaltwiderstand ist bestückt.

Ich werde die beiden Gleichrichter austauschen. Wie ich erfahren habe, scheinen die schon mal ein Problem zu sein.

Gruß
Horst

Horst
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Re: MD 1000 XL

Beitrag von Horst »

Ich habe begonnen, systematisch vorzugehen. Das Netzteil ist nun o.k. Dann habe ich die CPU eingesteckt. Die ist auch o.k.. Die Platine VV 80 104 ist der erste Übeltäter. Wenn ich sie einstecke, geht die + 18 V Sicherung "stiften". Ergibt sich daraus ein Hinweis? An den Bauteilen ist von Außen nichts zu erkennen.

Ich werde zunächst die Tantals austauschen. Das hält sich bei dieser Platine in Grenzen. Dann sehe ich weiter.

Gruß
Horst

gdrexl
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Re: MD 1000 XL

Beitrag von gdrexl »

Hallo Horst,

vermutlich hat C45 und/oder C27 (beides Tantals) einen Schluss. Eventuell wurde auch der 7812 mitgerissen. Ich würde auf der VV-Platine die 4 Tantals und die 2 Spannungsregler 7812/7912 ersetzen. Dann solltest Du auf der sicheren Seite sein.
Spannungsstabilisierung VV80104
Spannungsstabilisierung VV80104
VV80104.png (8.76 KiB) 8746 mal betrachtet
Platine VV
Platine VV
Platine VV.png (78.24 KiB) 8746 mal betrachtet
Viele Grüße
Gerhard

Horst
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Re: MD 1000 XL

Beitrag von Horst »

Hallo Gerhard,

ich habe nun nach und nach alle Platinen eingesteckt und dabei einen weiteren Übeltäter gefunden, die Platine SG 80 153 B. Auch bei ihr ging die Sicherung "flitzen" (- 18 V).

Es werden wohl wieder die 7812 und 7912 betroffen sein. Es ist gar nicht so einfach die Bauteile zu kaufen. Wir haben in Hannover zwar Conrads, die haben aber nur die großen Spannungsregler mit 1 A. Die kleinen Dreibeiner haben aber wohl nur 0,1 A. Sehe ich das richtig? Auch ansonsten ist das Angebot eher übersichtlich. Was ich brauche werde ich im Internet bestellen.

Hast Du nicht einen einen guten Tipp, wir ich die Bauteile auslöten und vorallem wieder sauber einlöten kann?

Noch eine Frage: Was passiert, wenn auch andere Tantals auf der Platine kurzgeschlossen sind. Fliegt dann auch die Sicherung raus oder funktioniert die Platine dann nicht?

Wenn Du möchtest, kannst Du mir auch an info@baurechtscentrum.de schreiben.

Gruß
Horst

gdrexl
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Re: MD 1000 XL

Beitrag von gdrexl »

Hallo Horst,

Spannungsregler gibt's bei Völkner, Conrad, Reichelt, Pollin...

die Platinen sind oft durchkontaktiert, und bei mir hat sich da schon mal die eine oder andere Leiterbahn beim Auslöten von Bauteilen gelöst. Dann helfen nur noch Drahtbrücken. Zum Auslöten kann man die defekten Bauteile mit dem Seitenschneider abknipsen. Dann muss man nur noch einzelne Drähte auslöten. Um die Löcher frei zu bekommen, nutze ich immer Entlötlitze und eine Kanüle (Baumarkt oder Arzt/Apotheker). Kanülen (=Hohlnadeln von Spritzen) haben die nette Eigenschaft, dass Lötzinn nicht an ihnen haftet. Oft kann man die Kanüle über das Drahtende durch das Lötauge schieben. Dann ist das Entlöten eines Bauteils ganz einfach. Ich habe dazu noch die Spitze (Abschrägung) abgefeilt. Nun können die Dinger niemanden verletzen und sind doch noch sehr hilfreich.
Kanüle
Kanüle
Kanüle.png (41.85 KiB) 8698 mal betrachtet
Die Tantals, die im Signalweg liegen, sind mir bisher nicht bewusst untergekommen. "Von Platine funktioniert nicht mehr" über "Sicherung flitzt" bis "klingt komisch" kann dann wahrscheinlich alles vorkommen. Allerdings bin ich auch nicht der große Elektroniker.

Viele Tantals kann man auch durch "normale" Elkos ersetzen. Stabilisierungs-Elkos allemal.

Viele Grüße
Gerhard

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Musaeus
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Re: MD 1000 XL

Beitrag von Musaeus »

Hallo Horst,

Was das Auslöten von Bauteilen angeht, bekommt man, z.B. bei Conrad, für
ca. 7 € eine antistatische Entlötpumpe, also keine allzugroße Investition.
Mit so etwas habe ich jahrelang gearbeitet, bevor ich mir eine Löt-und Entlötstation
zugelegt habe.

Was die Tantal-Elko`s angeht, die haben heutzutage eigentlich nur noch eine sehr
bedingte Daseinsberechtigung.
Wenn möglich, abhängig von der Größe und dem Rastermaß auf der Platine, ersetze ich diese meistens durch Keramik – oder Aluminium-Folienkondensatoren.
Die haben den Vorteil, daß sie gegenüber Spannunngspitzen unempfindlicher sind
und wenn sie denn mal kaputtgehen hochohmig werden und nicht wie Tantal-Elko`s
einen Kurzschluß verursachen und dann meistens noch andere Bauteile mit ins
Grab schaufeln.

Die Tantal-Elko`s, die am Ein-bzw. Ausgang von Spannungsreglern liegen, lassen
sich problemlos durch „normale“ Elko`s ersetzen.
Man sollte allerdings sog. „Low-ESR-Elko´s nehmen.

Da wo Tantal-Elko`s im Signalweg einer Schaltung liegen, werden sie beim Ausfall
typischerweise keine Sicherung auslösen.
Je nachdem welche Schaltungsaufgabe sie erfüllen, ist die Fehlerauswirkung sehr
unterschiedlich (Klangverzerrungen, Funktionsausfall von Schaltkreisen, etc.).

Was die Festspannungsregler angeht :
Das IC 15 ist ein µA 7812 (positiver Regler für 12V / 1,5A, T0 220-Gehäuse).
Die gibt es in der gleichen Gehäuseform auch für 2A (78S12) oder für 3A (78T12).
Das IC 185 ist ein 79L12 (- 12V / 0,1A, T0-92 Gehäuse) , gibt es in der Gehäuseform
nicht für eine höhere Strombelastbarkeit.

Die Netzteile in den älteren Böhm – Orgel sind, was die Strombelastbarkeit angeht,
sehr grenzwertig ausgelegt, dies gilt neben den Festspannungsreglern insbesondere
für die Gleichricher .

Ich lege die entsprechenden Bauteile beim Wechsel grundsätzlich für eine höhere
Strombelastbarkeit aus und habe damit bisher nur gute Erfahrungen gemacht.

Meiner Philosophie, ältere Netzteile komplett zu sanieren, muß man nicht zwingend
folgen, aber es ist schon eine Überlegung wert, wenn man eine doch schon betagte
und so lange nicht mehr benutzte Orgel wieder zum Leben erwecken will und man
nicht ständig wieder zum Lötkolben greifen will.

Gruß
Uwe
Sinfonia 500

Horst
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Re: MD 1000 XL

Beitrag von Horst »

Hallo Uwe,

vielen Dank für Deine ausführliche Stellungnahme. Ich habe den Vorschlag von Gerhard aufgegriffen. Das mit der Kanüle geht ausgezeichnet.
Ich gehe davon aus, dass das IC 184 auch für 0,1 A ausgelegt ist. Ich warte auf die Spannungsregler. Im Handel waren sie bei uns nicht zu erhalten. Dann werde ich mal sehen, was geht. Vielleicht kann ich am Wochenende wieder spielen. Aber so ganz kann ich daran noch nicht glauben. Wer allerdings keine Lebenszeichen von sich gibt, ist der BMC.

Gruß
Horst

gdrexl
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Re: MD 1000 XL

Beitrag von gdrexl »

Hallo Horst,

was zeigt der BMC denn an, oder ist der ganz tot?
Ich hatte mal den Fall, dass am Display überhaupt nichts angezeigt wurde. Erst nachdem ich die Helligkeit fast auf Anschlag hatte, wurde die Anzeige schlagartig sichtbar. Das Teil hatte also die ganze Zeit funktioniert, war aber nicht zu sehen.

Viele Grüße
Gerhard

Horst
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Re: MD 1000 XL

Beitrag von Horst »

Hallo Gerhard,

er ist ganz tot. Auf der CPU ist neben dem breiten Kabel zum BMC ein Spannungsregler mit Tantal. Kann es daran liegen? Vielleicht ist ja auch dieser Tantal auch kurzgeschlossen und hat den Spannungsregler mit beerdigt.

Übrigens, der Tipp mit der Kanüle war sehr gut.

Gruß
Horst

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Musaeus
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Re: MD 1000 XL

Beitrag von Musaeus »

Hallo Horst,

Bevor Du willkürlich Spannungsregler oder Kondensatoren wechselst, solltest Du, bewaffnet mit
Schaltplan und Multimeter, direkt am Display prüfen ob dort die erforderlichen Versorgungsspannungen
anliegen.
Die Versorgungsspannung ist eine mögliche Fehlerquelle, es kann ebenso, wenn diese anliegen, an der
Ansteuerung liegen.
Auch die Kabelkontakte bzw. Stecker auf Korrosion, etc. prüfen.

Gruß
Uwe
Sinfonia 500

Horst
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Re: MD 1000 XL

Beitrag von Horst »

Hallo an alle,

einen kleinen Schritt bin ich weiter. Das Schlagzeug läuft und ist auch zu hören. Ich habe alle Tantals und Spannungsregler auf den Platinen getauscht . Die Sicherungen "flitzen" nicht mehr. Die Registern kann ich schalten, zu hören ist aber nichts. Woran kann es liegen? Es gibt noch ein Problem mit den Lautsprechern. Wenn ich sie anschließe, brummt es gewaltig. Am Verstärker ist nichts zu erkennen. Die Sicherungen sind o.k. Das Schlagzeug höre ich über den Kopfhörer.
Gibt es ein Mittel, um die Schiebepotis wieder in Schwung zu bringen. Es kratzt ganz schön.

Gruß
Horst

Horst
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Re: MD 1000 XL

Beitrag von Horst »

Hallo an alle,

ich bin schon wieder ein kleines Stück weiter. Das Untermanual ist bespielbar. Es gibt aber Probleme mit den Druckschaltern. In den Schaltern ist eine kleines Schaumstoffkissen, welches den Schalterdruck aufnimmt und an die eigentliche - wie soll ich es audrücken - Schaltmembran weiterleitet. Diese kleinen Schaumstoffkissen lösen sich auf. Einige Schalter funktionieren deswegen nicht mehr oder nur noch eingeschränkt. Weiß jemand Abhilfe? Gibt es dafür Ersatzteile? Kann ich mir Schaumstoffkissen mit handelsüblichem Material selber zurechtschneidern?

Gruß
Horst

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